Wie einige von euch bereits wissen, habe ich am Swiss Masters im vergangenen August drei EPT-Packages gewonnen. Das erste habe ich vor drei Wochen eingelöst, nämlich für die EPT Vilamoura in Portugal.
Ich will hier gleich an erster Stelle ein grosses Lob an PokerStars richten. Als ich damals am Swiss Masters den Gutschein in die Hand gedrückt bekam, wusste ich nicht genau, wie das alles ablaufen wird und ob ich mich selbst um alles kümmern muss.
Nichts da, ich bekam von Rino Mathis eine E-Mail-Adresse, da habe ich mich jeweils bis spätestens einen Monat vor Turnierbeginn für ein EPT-Event anzumelden. Anschliessend bekomme ich 1000 Dollar Reisespesen, diese sind für den Flug gedacht, den ich selber buchen muss. Fliege ich nach Portugal, ist das ein schöner Betrag, da sich die Flugkosten lediglich auf rund 550 Franken belaufen, den Rest darf ich behalten. Für das PCA Bahamas hingegen kostet der Flug 1300 Franken, da muss ich wiederum ein bisschen drauflegen. Im Grossen und Ganzen gleicht es sich wohl wieder aus. Für das Hotel bekam ich jeweils zwei bis drei Wochen im voraus eine E-Mail von PokerStars, wie und wo ich das Zimmer buchen konnte. Das Buy-In wird von PokerStars übernommen, ich muss mich nur beim Desk melden. Das nenne ich Service!
Den restlichen Ablauf eines solchen Turniers habe ich in acht Phasen unterteilt. Wer weiss, vielleicht kommt ja bald einer von euch zu einer Gratis-EPT-Teilnahme und kann mein Manual als Anleitung brauchen?
Phase 1: Packen.
Ich nahm folgendes mit:
- Pass und Flugtickets natürlich
- Adresse des Hotels, Infos zu Taxi-Gebühren
- Unterlagen über das Turnier (Blindstruktur…)
- Sonstige Lektüre
- MP3-Player, Kopfhörer, Ladegerät
- Notebook, Maus, Netzteil, Strom-Adapter/-Wandler
- Kamera mit Ladegerät
- Handy mit Ladegerät
- Bargeld in der Landeswährung
- Kreditkarte
- Kartenset (kann nie schaden)
- Sonnenbrille
Kleider und Schuhe und so nahm ich natürlich auch mit, aber da muss ich ja jetzt nicht weiter darauf eingehen.
Phase 2: Heimisch werden.
Willkommen Portugal, hiess es am 14. November. Mit einem Kollegen flog ich über Lissabon nach Faro, wo wir zu unserem bezahlten 5-Sterne-Hotel “Tivoli” chauffiert wurden. Ankunft am EPT-Standort.
Natürlich wird zuerst das Hotelzimmer in Beschlag genommen, alles ausgepackt und eingerichtet, man soll sich ja schliesslich zuhause fühlen. Ebenfalls zu den ersten Tätigkeiten gehörte, das Ticket zu besorgen, den Starttag herauszufinden (PokerStars-Qualifikaten werden ausgelost, der Starttag ist nicht frei wählbar) und ein Einkaufszentrum aufzusuchen (Minibar wird schnell sehr teuer). Auch ein Besuch im Casino gehört natürlich dazu, man will den Arbeitsplatz ja sehen.
Mir wurde der Starttag 1a zugewiesen. Obwohl ich jeweils lieber am letzten Tag 1 spiele, fand ich mich damit zurecht. An dem solls ja schliesslich nicht scheitern
Phase 3: Das Turnier
Genug lange gewartet, am 17. November um 12 Uhr mittags begann das erste EPT-Turnier meines Lebens. Eigentlich war es wie bei jedem Turnier, vor Turnierstart mag ich eigentlich nicht viel sprechen und versuche mich auf die bevorstehenden Stunden zu fokussieren. Nervös war ich eigentlich nicht, denn es war ja nicht mein grösstes Turnier bis anhin. Im Sommer hatte ich bereits den WSOP Main Event erlebt.
Jeder Spieler begann mit 30′000 Chips, die Levels dauerten eine Stunde, alle zwei Stunden wurde Pause gemacht. Wir begannen bei 50/100, also 300 Big Blinds deep. That’s Poker!
Eine kleine Zusammenfassung von Tag 1 will ich euch nicht vorenthalten:
Ich bekam im ersten Level zwei Mal die Asse, konnte mir aber nicht mehr als die Blinds ergattern. Weitere Hände bis zur ersten Pause waren 
(drei Mal) und ein Mal 
, und ich gewann jede Hand, die ich spielte. Mein Stack wuchs bis zur ersten Pause langsam und konstant auf 33.5k.
Ausserdem musste bereits einmal wegen mir der Floorman herbeigerufen werden.
Das kam so: Alle folden zu mir, ich bin im SB bei Blinds 75/150. Ich habe 
und will auf 550 raisen. Jetzt liegen bereits 3 grüne 25er-Chips vor mir, ich nehme einen raus und lege einen violetten 500er rein. Der Dealer sagt gleich “That’s a call!” und ein weiterer Spieler am Tisch meint das auch. Ich bin mucksmäuschenstill und will keinen Terror stiften, darum sage ich ok, aber der Dealer kam mir zuvor und rief den Floorman, da er selber nicht sicher war. Der Floorman hörte sich ruhig die Situation an und entschied dann, dass es sich um einen Raise handelt, da ich einen Chip rausgenommen und einen anderen reingelegt habe. Hätte ich den 500er zu den 75 reingelegt, wäre es nur ein Call gewesen. Hehe, wäre das also auch geklärt
In den Levels 3 und 4 foldete ich zwei Mal 
, nachdem vor mir geraist und gereraist wurde. Zwei Mal machte ich mit 
einen 3-Bet, stets gewann ich die Chips. Stand nach vier Levels: 34k. In Level 5 und 6 erlebte ich den Kartentod, ich raiste einmal 
, alle foldeten, und als ich 
raiste, pushte ein Short Stack mit 
, ich musste nur noch 3 Big Blinds nachzahlen, callte und gewann. Mein erstes EPT-Opfer.
Stand nach sechs Stunden: 40k.

In den letzten beiden Levels des Tages wurde gleich nach der Pause Shaun Deeb an meinen Tisch gesetzt. Na, das kann ja heiter werden! Wurde es auch, er raiste etwa jede dritte Hand, konnte aber auch folden, falls er geraist wurde.
Dann kam es zu meiner heikelsten Situation an Tag 1. Antony Lellouche, einer der aktivsten Spieler am Tisch, raiste standardmässig auf dem Button, nachdem alle gefoldet hatten, dies machte er schon den ganzen Tag und ich foldete meist. Drei Mal hatte ich mit marginalen Händen nur gecallt und nun war der erste Reraise an der Reihe. Ich hielt 
in meinen Händen. Antony raist auf 2k, bei Blinds 400/800, ich reraise ihn auf 6.5k, worauf er nach kurzer Überlegenszeit 15k reinstellt. “Der wird jetzt wohl nicht in genau dieser Hand ein Monster halten”, sagte ich mir. “Du verhältst Dich jetzt, als hättest Du mindestens ein paar Buben und schiebst mit einem achselzuckenden “OK” Deine Chips in die Mitte.” Genau das tat ich dann auch, Lellouche tankte etwa drei Minuten lang und foldete. Später sagte er mir, er hätte 33 gefoldet, und ich sagte ihm, ich hätte Queens gehabt.
Nach diesem Move hatte ich etwa 50k. Ich gewann noch einen Pot mit A8 gegen A7 und beendete Tag 1 mit 55′900 in Chips.
Phase 4: Der Ruhetag.
Da ich Tag 1a zugelost bekommen hatte, musste ich einen Tag Pause einlegen. Ich schlief aus, frühstückte ausgiebig und löste den Massage-Gutschein ein. ich somit einen Ruhetag bevor Tag 2 startete. Dann sah ich noch ein wenig meinem Kollegen zu, der Tag 1b spielte und ging früh zu Bett. Die Devise am Ruhetag lautet: Erholen. Bloss keine Hektik.
Phase 5: Tag 2.
Entsprechend motiviert und konzentriert startete ich in meinen zweiten Tag. Der Turnierdirektor erklärte, dass heute fünf Levels à 75 Minuten gespielt würden. Ich sammelte mit 
und 
die Blinds ein, bevor es zu meiner Schicksalshand kam:
Eine Person aus mittlerer Position raist, der Spieler daneben coldcalled, der CO, der erst seit drei Händen am Tisch sitzt, macht ein Squeeze-Play, und ich sitze am Button mit 
. Mein erster Gedanke war: “Was sind meine Möglichkeiten?” Ich habe 55 Bigblinds, der Squeezer hat 48, der ursprüngliche Raiser um die 30 und der Coldcaller 35.
- Folden? Sehr schwach.
- Callen? Mal den Flop sehen, eventuell folden, wenn der ursprüngliche Raiser pusht.
- Raisen? Wenn, dann all-in.
Da ich eher der tightere Spieler bin und nicht mein ganzes Turnierleben preflop mit dieser Hand riskieren wollte, entschied ich mich für einen Call.
Überraschenderweise foldeten sowohl der ursprüngliche Raiser als auch der Coldcaller. Der Flop kam wie im Traum mit 

, der Squeezer checkte zu mir und ich dachte “phew, wahrscheinlich hast du zwei Zehnen, Buben oder Damen” und pushte All-In. Was dann passierte, gefiel mir leider gar nicht, er insta-callte nämlich und zeigte mir 
. Leider gab es keine Hilfe mehr für mich und ich musste das Turnier am zweiten Tag bereits nach 40 Minuten beenden.
Ich habe die Situation auch auf dem Pokerforum Raise.ch geschildert und es gab diverse Meinungen darüber. Die meisten waren der Meinung, dass ich preflop hätte all-in gehen müssen, da ich vielleicht 
und 
so zum folden gebracht hätte. In meinem Falle hätte es aber keinen Unterschied gemacht, da der Squeezer 
hielt und niemals gefoldet hätte. Das ist das schöne am Pokern, es gibt viele verschiedene Wege eine Hand zu spielen, und beim nächsten Mal kommt trotzdem alles ganz anders.
Phase 6: Was nun?
Nachdem ich nach meinem Ausscheiden einen Trauermarsch absolviert hatte, also ein bisschen den Strand entlang gelaufen wir, mit einem Whiskey Cola in der Hand, entschied ich mich dazu, am Abend ein Nightly Turbo zu spielen. Es kostete 330 Euro, man kriegte 6000 Chips, die Blinds dauerten 15 Minuten. Das entsprach genau der Disziplin, in der ich meinen ersten Titel am Swiss Masters gewinnen konnte (Swiss Ranking Kategorie E). Ein gutes Omen, das noch dadurch verstärkt wurde, dass ich auf der Tischsuche ein Glas kaputt machte. Scherben bringen bekanntlich Glück…
Leider kam es anders und ich lief nach zwei Stunden wie bereits ein paar Stunden zuvor wieder in die Asse rein. Ich hielt 
, auf dem Flop kam ein Bube, am Turn eine Dame, und ich hatte nichts geringeres als einen Straight-Flush-Draw. Leider kam weder die Strasse noch das Flush und ich beendete das Turnier als 35. von 97 Spielern.
Zum Glück schaute ich am nächsten Tag Rino Mathis zu, wie er am Final Table des 1000-Euro-PLO-Sidevents sass. Ich liess mich von ihm überreden, das 2000-Euro-No-Limit-Hold’em-Sidevent zu spielen, das wie im Flug vorüberging. Letztendlich wurde ich guter Vierter (von 82) und gewann 15′000 Euro. Also doch noch ein versöhnliches Ende.
Phase 7: Der Abschied.
Nach so einer Woche könnte man meinen, dass mir Poker verleidet ist, aber dem war nicht so. Am Abend vor dem Rückflug wurde in der Hotelloby fleissig online gegrindet, leider hatte ich im Zimmer kein Wireless, darum mussten wir in die Lobby ausweichen.
Phase 8: Recap.
Ich muss schon sagen, ans Herumreisen, ans Spielen dieser grossen Events und die Drinks mit den Kollegen am Abend könnte ich mich gewöhnen.
Ich hatte die Gelegenheit, viele international bekannte Spieler kennenzulernen, und sie sind mir allesamt positiv in Erinnerung geblieben.
Will heissen: Ich freue mich sehr auf die erste Januarwoche. Dann fliege ich zum PokerStars Caribbean Adventure auf die Bahamas.
Ihr werdet von mir hören.
Euer raz0r.